school shooting of Winnenden was heralded by an internet troll ►media.coverage◄

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Image by oedipusphinx — — — — theJWDban
The school shooting of Winnenden was heralded by an advertising internet troll 6½ hours before the killing spree began.

chronology of the infamous 3/11-chat:
#555168 = Tim Kretschmer, #848121 = Bernd_1, #830431 = Bernd_2.

Tim Kretschmer: 2009-03-11 02:45:35 555168 Nr. 485465
>> Crap, Bernd, I’ve had enough. I’m fed up with this dissolute life. It’s always the same: Everybody is laughing at me, nobody is realizing my potential.

Bernd_1: 2009-03-11 02:47:20 848121 Nr. 485466
>> lol, you are kidding

Tim Kretschmer: 2009-03-11 02:5X:XX 555168 Nr. 485467
>> I mean it seriously, Bernd. I’ve got firearms here, and tomorrow morning I’ll visit my previous school and I’ll give a stylish grill party. Maybe I’ll get away with it.
>> Be prepared to listen, Bernds, tomorrow you’ll hear from me. Just remember the name of the scene: Winnenden. And for now no report to the police, don’t be afraid, I’m just trolling

Bernd_2: 2009-03-11 02:57:19 830431 Nr. 485468
>> pics or never happened!

_DE
Tim Kretschmer: 2009-03-11 02:45:35 555168 Nr. 485465
>> Scheiße, Bernd, es reicht mir. Ich habe das Lotterleben satt. Es ist immer dasselbe: Alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial.

Bernd_1: 2009-03-11 02:47:20 848121 Nr. 485466
>> lol, ja is klar

Tim Kretschmer: 2009-03-11 02:5X:XX 555168 Nr. 485467
>> Ich meine es ernst Bernd – ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen. Vielleicht komme ich ja auch davon.
>> Haltet die Ohren offen Bernds, ihr werdet morgen von mir hören. Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden. Und jetzt keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle nur

Bernd_2: 2009-03-11 02:57:19 830431 Nr. 485468
>> Bilder oder nie passiert!

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I. troll a mythical, cave-dwelling being depicted in folklore as either a giant or a dwarf, typically having a very ugly appearance.
ORIGIN: from Old Norse and Swedish troll, Danish trold, German Kobold: adopted into English from Scandinavian in the mid 19th cent.
II. troll 1.) the action of trolling for fish 2.) a posting provoking a response in the reader by containing errors. [_NODE_1984_]
internet-troll: There are two main types:
— 1. "psycho trolls" believe to be someone that they are not.
— 2. "bona fide trolls" pretend to be someone that they are not.
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Die Ankündigung der Rachemaßnahme war laut Aussage des Vaters von Tim Kretschmer auf der Festplatte seines Sohnes gespeichert:

1. Das Screenshot lässt erkennen, dass der Beitrag nicht, wie von den Medien behauptet, in einem Chat oder Blog geschrieben wurde, sondern in einem Imageboard – und die zeichnen sich primär durch einen ziemlich krassen Humor aus. Das "kreative Nachbearbeiten" von Fotos, Screenshots und dergleichen gehört dort zum Tagesprogramm.
2. "Bernd" ist die deutsche Entsprechung von "Anonymous" – siehe oben.
3. "grillen gehen" ist in deutschsprachigen Imageboards ein Synonym für Suizid, allerdings nicht wirklich im ernsthaften Kontext, siehe oben.

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_____krautchan versucht zu verschleiern_____
12.3.2009 21:35: Amok-Ankündigung von Tim K. wird offiziell angezweifelt (nal/imo/tsp/dpa)
Der Online-Service Krautchan.net hatte am Nachmittag auf seiner Seite behauptet, dass der von der Polizei veröffentlichte Eintrag gefälscht.
Ein Experte zur Quellenprüfung im Internet, der Berliner Journalist Albrecht Ude sagte, dass eine abschließende Beurteilung nicht mehr möglich sei, da alle Seiten gelöscht worden seien. "Die Firma, wo das Forum registriert ist, ist aber schon einmal durch eine Fälschung aufgefallen." Allerdings sei es seltsam, dass die Inhalte allesamt verschwunden seien. "Wenn man behauptet, dass das ganze eine Fälschung ist, mutet es seltsam an, wenn alle Beweise, die dies belegen, gelöscht worden sind." (nal/imo/tsp/dpa)

13.03.2009, 01:01: Amokdrohung eine Fälschung? (tagesschau.de)
Die Polizei Waiblingen und die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilten mit, es gebe zwei Zeugen, die unabhängig voneinander behauptet hätten, den Chat-Eintrag gesehen zu haben.
….. Die Betreiber der Seite erklärten nach Bekanntwerden des angeblichen Eintrags, dass der Eintrag eine Fälschung sei: "Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können." Die Überprüfung der Behauptung, dass ein Bild manipuliert worden sei, wurde dadurch erschwert, dass die "krautchan.net"-Betreiber die komplette Seite bis auf eine Eingangserklärung abschalteten.
… Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Claudia Krauth, sagte, ihr sei zunächst von den zuständigen Experten die Existenz des Internet-Chats zugetragen worden … "Jetzt müssen wir prüfen, ob das tatsächlich falsch ist, wie das geschehen konnte und wer das war", sagte Krauth. Bezüglich des Amokläufers stünden die Ermittlungen nun aber wieder ganz am Anfang. "Wir hatten ja heute in eine Richtung vermutet, was das Motiv angeht."

15.03.2009, 12:06: www.ksta.de/html/artikel/1236866641919.shtml (Kölner Stadtanzeiger)
Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech hatte auf der Pressekonferenz am 11.März 2009 die Ankündigung des Massakers dem späteren Amokläufer zugeordnet.
– Am nächsten Tag jedoch verlautbarten die deutschen Medien plötzlich, daß erst nach Sichtung eines noch nicht aufgefundenen Laptop der Familie Kretschmer und den Informationen des in den USA sitzenden Chatroom-Betreibers der Sachverhalt endgültig aufzuklären wäre.

15.03.2009, 22:02: www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1973351_0_9848_krautc… (Stuttgarter Zeitung)

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©opyRight or cede it for [credit & honour] ?
The difference is in what is considered derivative and what aggregation. fsf (GNU) thinks placing an image in a text creates a derivative work, while Creative Commons [_All or Some Rights Reserved_] treats that as aggregation. Derivation or Aggregation?
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Attribution-Share Alike 3.0.
License Your Work (Image|Audio|Video|Text|Interactive)
With a Creative Commons license, you keep your copyright but allow people to copy and distribute your work provided they give you credit.

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___politisches aftermath___
22.03.2009, 14:00: Angehörige der Opfer fordern Aufklärung der Tat (AP)
Die Angehörigen fordern Polizei und Politik zu einer Aufarbeitung des Amoklaufs auf: «Wir wollen, dass die Tat aufgeklärt und aufgearbeitet wird.»
«Wir wollen wissen, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen und gesetzlichen Sicherungen versagt haben.» Dazu gehörten auch das Aufzeigen der persönlichen Verantwortung und die daraus folgenden – auch juristischen – Konsequenzen.
«Wir wollen, dass sich etwas ändert in dieser Gesellschaft, und wir wollen mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann.»
22.03.2009, 16:00: Kann Politik Amokläufe verhindern helfen? (AFP)
Uwe Schünemann (CDU) sagte der "Super Illu", Killerspiele hätten in Kinderzimmern "nichts verloren". Ein Verbot von gewaltexzessiven Computerspielen sei kein Populismus oder hilfloser Aktionismus. "Im Gegenteil: Wer die wachsende Kinder- und Jugendgewalt ernsthaft eindämmen will, kommt an diesem Thema nicht vorbei."
«Ich sehe nichts, was die Politik nach der Katastrophe von Winnenden ändern könnte. Ich kann nur davor warnen, den Eindruck zu erwecken, dass man einen solchen Amoklauf auf irgendeine Weise verhindern könnte.»
«Die ganzen Vorschläge, die jetzt gemacht werden, halte ich für populistisch und vordergründig. Sie entspringen der Hilflosigkeit und dem Drang, wahrgenommen zu werden», sagte Beck dem «Hamburger Abendblatt». (Kurt Beck, SPD)
22.03.2009, 16:00 Köhler prangert Konsum gewaltverherrlichender Computerspiele an (AFP)
Köhler fragte bei der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs vor eineinhalb Wochen: «Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet?» Dieser Art von «Marktentwicklung» solle Einhalt geboten werden, verlangte das Staatsoberhaupt. Dabei sei aber nicht nur der Staat gefordert. Es sei auch eine Frage der Selbstachtung, welche Filme man sich anschaue, welche Spiele man spiele, welches Vorbild man seinen Freunden, Kindern und Mitmenschen gebe.
Ungeachtet dessen forderte der Berliner Innensenator Ehrhart Körting eine Reduzierung privater Schusswaffen. «Wir haben ganz klar zu viele Waffen in diesem Land», sagte der SPD-Politiker dem «Spiegel». Körting will eine Initiative für eine Verschärfung des Waffenrechts starten: «Meine SPD-Kollegen werden eine Linie verfolgen», erklärte er dem Bericht zufolge, «die meiner ähnlich ist».
Gunmen kill 17 people at a drug rehab in Mexico (AP 3 Sept 2009)  Gunmen broke into a drug rehabilitation center and shot 17 people dead in a northern Mexican border city, an official said. The attackers on Wednesday broke down the door of El Aliviane center in Ciudad Juarez, lined up their victims against a wall and opened fire, said Arturo Sandoval, a spokesman for the regional prosecutors’ office. … Ciudad Juarez, across the border from El Paso, Texas, is Mexico’s most violent city, with at least 1,400 people killed this year alone.
Study: Gun Shows Main Source Of Guns Used In Crime (at CBS 13 / CW 31 Sacramento – 2 Sept 2009) A new report from UC Davis researchers finds that American gun shows are the leading source of guns used in crimes, not just in the United States, but Mexico and Canada as well. Amanda Sanchez reports.

18 March 2009: Alienated schools may be breeding grounds for teen killers by Linda Geddes
"Shootings appear more likely in schools characterised by a high degree of social stratification and low bonding and attachment between teachers and students," Wike says. "They provide rewards and recognition for only an elite few, and create social dynamics that promote disrespectful behaviour, bullying, and peer harassment."

25. März 2009 Online Flyer Nr. 190: Zum „School Shooting" von Winnenden in Neue Rheinische Zeitung von Prof. em. Freerk Huisken
… Gelernt haben sie, dass jede zugegebene Schwäche, jedes angezeigte Defizit in allen Konkurrenzlagen – solchen, an denen die Existenz, und solchen, an denen das Selbstbewusstsein hängt – von den Veranstaltern der Konkurrenz und von Mitkonkurrenten zum eigenen Vorteil ausgenutzt wird. Dann wird man als Versager, Schwächling, als Loser, als Opfer einsortiert und behandelt. So etwas darf nicht sein, weswegen die Welt der Heranwachsenden nur aus „coolen Typen“ besteht, die es sich den psychologischen Selbstbetrug zur zweiten Natur werden lassen. Als ohnmächtige Wichte, die sie sind und bleiben, ziehen sie dann schon einmal aus der dauerhaft und quälend erfahrenen Ohnmacht den ziemlich verkehrten Schluss, selbst einmal Macht, und gelegentlich sogar Macht in seiner existenziellsten Form als Macht über Leben und Tod auszuüben.
Die Amokläufer sind also keine defekten Monster, die ihre Mordgelüste eine Zeit lang hinter der Fassade des „unauffälligen, ruhigen Jungen“ verstecken. Es handelt sich vielmehr um aus dem Ruder gelaufene brave Lehrlinge eines pädagogisch und politisch intendierten Curriculums, mit dem sie in Schule und Gesellschaft von Kindesbeinen an traktiert werden. (PK)

März 2009: „School Shooting“ – eine Geisteskrankheit? von Prof. em. Freerk Huisken
Tim K. war in psychiatrischer Behandlung, hieß es bald! Die Gemeinde der professionellen Betroffenen atmete auf. Der Massenmord von Winnenden war geklärt: Dieser junge Mensch war krank, ein Psychopath, vielleicht sogar ein „Zombie“, wie ein Sprecher der deutschen Sportschützen ausführte, der sich ja bei seinen Waffenbrüdern auskennt; auf jeden Fall von schweren Depressionen geplagt, die sich schlussendlich in einem „erweiterten Suizid“ – welch zynischer Psychologismus! – entladen haben. Zudem, auch das passt ins genehme Bild, hatte er im Elternhaus leichten Zugang zu Waffen und Munition, ist vom Vater sogar in der „Kunst des Schießens“ unterwiesen worden und war obendrein Besitzer von Computerspielen der einschlägigen Art. Das „Unfassbare“, wie ein junger Mensch, der als völlig „ruhig und unauffällig“ galt, der nie aggressiv geworden ist und eher schüchtern war, sich und 15 weitere Menschen vom Leben zum Tode befördern kann, ist nun leicht fassbar. Die seelische Störung, „seine Krankheit“, über die man dann auch gar nichts weiter wissen muss, erklärt einfach alles.

… „Unfassbar“ ist all das nicht, und dass sich „die Tat jeder rationalen Deutung entziehe“, wie es nach jedem Amoklauf im Rahmen der ritualisierten Betroffenheitsorgien regelmäßig heißt – so etwas fällt den Wills, Plaßbergs oder Illners bei „Kollateralschäden“ auf Kriegsschauplätzen im Nahen Osten nie ein –, ist ein Urteil, das nicht zur Kenntnis nehmen will, was da passiert ist. Der Tat selbst und ihren Umständen lässt sich bereits so einiges entnehmen – vielleicht sogar schlüssiger als den Chat-Ankündigungen von Tätern, in denen sie auch nur ihre Motivlage mehr oder weniger ungeordnet ausbreiten.

… eine Konkurrenz, deren Protagonisten wissen, warum sie am Jahresende anlässlich der Zeugnisvergabe pädagogische Seelsorge anbieten und hoffen, dass sich keiner ihrer Schüler das Leben nimmt, weil er sich „mit dem Zeugnis“ nicht nach Hause traut; eine Lernkonkurrenz, in der sich Schüler immer zugleich das Rüstzeug fürs ganz normale Durchwursteln in der sich anschließenden Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben aneignen: Denn sie erfahren, dass sie nur dann nicht zu den Verlierern gehören, wenn sie dazu beitragen, andere zu Verlierern zu machen, was Anschwärzen ebenso einschließt, wie Neid und Missgunst; wenn sie dem „Schein“ den Vorrang über ihr „Sein“ geben, also Können vortäuschen, andere der Täuschung überführen und was der weiteren Tugenden des gar nicht so „heimlichen Lehrplans“ der Konkurrenz mehr sind. Schüler selbst ergänzen heutzutage diese Leistungskonkurrenz, deren Zwecken sie sich unterwerfen müssen, deren Mittel – dabei handelt es sich nicht um das Lernen, sondern das zensierte Lernen – sie gar nicht in der Hand haben und deren Resultaten sie ohnmächtig gegenüber stehen, um eine eigene, eben die Anerkennungskonkurrenz. In der führen sie sich als die Herren ihrer Konkurrenzmittel auf: Alle rohen Formen der Angeberei und des Mobbing – geschlechtsspezifisch sortiert – stehen dabei hoch im Kurs. Da wird geklaut und erpresst, geschlagen und ausgegrenzt, werden Schulen demoliert und Mutproben der brutalsten Art abverlangt. Gelernt haben die Kids, dass der Mensch ohne Selbstbewusstsein nichts ist, dass man also mit einer Portion Selbstbewusstsein die Zumutungen von Schule, Familie und Straße besser aushält – und nur deswegen ist das Selbstbewusstsein zum Erziehungsziel avanciert. Und das übersetzen sie sich in den Selbstbefund, irgendwie „Superstar“ zu sein, wenn nicht der „Deutschlands“, dann doch wenigstens der der Schule oder der Klasse. Der Anerkennungswahn, der sich hier austobt, erweist sich als ein Psycho-Produkt von Konkurrenzerfahrungen, das inzwischen das Privatleben derart okkupiert hat, dass jede vernünftige Bilanzierung des materiellen Gehalts einer individuellen Lebenslage nur allzu oft überlagert wird von der Frage, wie viel Beifall man für neue Klamotten, geschwollenen Bizeps, Sexual- und Saufleistungen, nebst Frech- und Rohheiten aller Art von Mitmenschen erhält, die denselben anerzogenen und inzwischen durchgesetzten geistigen Deformationen anhängen. Wenn zudem heute Schüler mit 9 oder 10 Jahren ihre Schulhefte auf Lehrergeheiß mit dem Spruch „Ich bin wertvoll!“ zieren – das fällt sachgemäß unter Ethik-Erziehung –, dann darf man sich endgültig nicht wundern, dass dabei der eine oder andere Robert S. oder Tim K. herauskommt. Denn wo in Schule, Familie und Umfeld vermehrt Erfahrungen gemacht werden, die diesen Spruch gerade nicht mit Material unterfüttern, wenn Niederlagen dieser oder jener Art sich vielmehr zu Frust verdichten, dann lässt er sich ebenso in die selbstzerstörerische Frage: „Bin ich wirklich wertvoll?“, wie auch in den fremdzerstörerischen Beschluss: „Denen werde ich es zeigen, dass ich wertvoll bin!“, umsetzen. Es schließt eben die radikalisierte Sorge ums eigene Selbstbewusstsein durchaus beide brutalen Verlaufsformen ein: die Tötung und die Selbsttötung.

Noch etwas ist der Tat zu entnehmen. Täter machen ihren „Frust“ zur Privatsache, die andere nicht nur nichts angeht, die sogar vor anderen geheim gehalten werden muss. Nicht zuletzt deswegen ist Tim K. „unauffällig“. Denn wer seine Schwächen, Beschädigungen und jene Ohnmacht offenbart, die seine tatsächliche Lage nun einmal kennzeichnen, der erfährt nur allzu oft, dass ihm all dies als seine höchst persönliche Eigenschaft um die Ohren und manchmal nicht nur um diese geschlagen wird. Der weiß auch, dass jede zugegebene Schwäche in allen Konkurrenzlagen – solchen, an denen die Existenz, und solchen, an denen das Selbstbewusstsein hängt – von anderen brutal zum eigenen Vorteil ausgenutzt wird. Dann wird man als Schwächling, als Loser, als Opfer einsortiert und be-handelt. So etwas darf nicht sein, weswegen die Welt der Heranwachsenden nur aus „coolen Typen“ besteht, die sich den psychologischen Selbstbetrug zur zweiten Natur werden lassen. Als ohnmächtige Wichte, die sie sind und bleiben, ziehen sie dann schon einmal aus der dauerhaft und quälend erfahrenen Ohnmacht den ziemlich verkehrten Schluss, selbst einmal Macht, und gelegentlich sogar Macht in seiner existenziellsten Form als Macht über Leben und Tod auszuüben.

So etwas registrieren die einschlägigen Talkshow-Runden hier und da. Jedoch nur um blöd anzu-mahnen, dass „wir alle“ mehr „aufeinander zugehen“, uns „mehr umeinander kümmern“ sollten und dass den Lehrern „mehr Zeit für die lieben Kleinen“ eingeräumt werden müsste. Lauter Idealisierungen herrschender Konkurrenzverhältnisse werden da als konkrete Vorschläge ausgerechnet von denen unterbreitet, die gerade eine Schulreform beschlossen haben, in der schulischer Leistungsstress verschärft, Konkurrenz unter Lehrern institutionalisiert, Schulzeit verkürzt, das standardisierte Testwesen ins Zentrum des Unterrichts gerückt wird und allen Ernstes eine Erziehung zu mehr „Frustrationstoleranz“ jede Überlegung, was sich gegen die Ursachen des „Frusts“ machen lässt, erschlägt; die aber auch an anderen Fronten, so auf dem Arbeitsmarkt, in der Berufswelt, in den Sozialsystemen, auf dem Wohnungsmarkt und in der Familie dafür sorgen, dass den Bürgern als Mittel zur Sicherung ihrer Privatexistenz allein der Weg bleibt, sich gegen andere Privatexistenzen – mit erlaubten Mitteln oder solchen am Rande der Legalität – konkurrierend durchzusetzen. Da lässt sich gut „aufeinander zugehen“, da lässt sich gut um den „Mitmenschen kümmern“! Neu ist das alles nicht, aber heftiger wird’s schon. Weswegen es erneut nicht verwundern darf, dass Menschen, deren Kopf randvoll ist mit unbewältigten Lebens- und Anerkennungsproblemen, diese so lange mit sich selbst ausmachen, bis sie meinen, der Welt auf jene Weise Beweise für ihren erfundenen Selbstwert zeigen zu müssen, die sie von der Welt gelernt haben: als Machtausübung mit den Mitteln der Gewalt!

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Freerk Huisken war bis März 2006 Professor für Politische Ökonomie des Ausbildungssektors (Hauptwerk: "Erziehung im Kapitalismus") an der Universität Bremen. Er hat sich in zahlreichen Büchern mit dem Thema Jugendgewalt und schulische Bildung (z.B. "Der ‘PISA-Schock’ und seine Bewältigung") befasst. Sein zuletzt erschienenes Buch: "Über die Unregierbarkeit des Schulvolks – Rütli-Schulen, Erfurt, Emsdetten usw.", 176 Seiten, 2007, VSA-Verlag, 12.80 Euro – ISBN 978-3-89965-210-9, endet mit dem Kapitel "Erfurt, Emsdetten… – der nächste Amoklauf kommt bestimmt. Über Konkurrenzverlierer und Selbstbewusstseinskult, über verletzte Ehre und demonstrative Rache".

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public speculations about the possible objective factors & subjective motivations that lead to the killing rampage

1. alienated schools
——-> "Erziehung im Kapitalismus" (FH)
2. killer games
3. hate against women
4. psychiatric medications
5. too many firearms